Durch lange Texte überfordert?

Zentralabi-Debatte lenkt Blick auf Lesetechnik-Defizit

Eine aktuelle Debatte über das Zentralabitur in Nordrhein-Westfalen lenkt den Blick auf die Fähigkeit der Schüler, längere Texte zielstrebig auszuwerten. Im Fach Physik waren einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers vom 7. Mai 2008 zufolge nach Lehrermeinung die Aufgaben des Abiturs 2008 zu umfangreich formuliert. Die Schüler hätten statt vier Seiten im Jahr 2007 diesmal zehn Seiten Textmaterial pro Vorschlag durchzuarbeiten gehabt. Überdies seien die Fragestellungen auf den eng bedruckten Blättern nur wenig von den Informationsteilen zu unterscheiden gewesen. Ergebnis nach Kritikermeinung: eine „unheimlich wortlastige Klausur“, in der es mehr um Textverständnis als um das Abfragen physikalischer Kenntnisse gegangen sei.

Ein Lehrerverbandsvertreter sagte, dass auch im Fach Biologie der Umfang der Arbeitsmaterialien zu beanstanden sei. Die Schüler hätten innerhalb einer halben Stunde 18 Seiten durchlesen müssen, um eine Aufgabe auswählen zu können. Der Sprecher des Kultusministeriums widersprach: Die Schüler hätten keinesfalls alles durchlesen müssen, um eine Aufgabe auszuwählen. Die Arbeitsmaterialien seien eine zusätzliche Hilfe bei der Lösung gewesen.

Die Diskussion zeigt eindringlich, wie wichtig es – nicht nur – für Prüfungen sein kann, wenn Schüler auch längere Texte diagonal lesen lernen, um das Wesentliche zu erkennen und ggf. schnell zu Entscheidungen zu kommen. Damit diese Fähigkeit zum Zeitpunkt des Abiturs ausreichend entwickelt ist, muss sie während der vorangegangenen Schulzeit regelmäßig trainiert werden, und das nicht nur in den sprachlichen Fächern, sondern eben auch in Fächern wie Physik und Biologie.

Zum Artikel des Kölner Stadt-Anzeigers

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