brauchen Informationskompetenz – fürs Lernen und fürs Leben. Diese Website will den Begriff der Informationskompetenz durch aktuelle Kurzberichte mit Leben erfüllen und so zu seiner Verbreitung in Schule und Bibliothek beitragen.
Schüler
Suche
Das Aal-Prinzip
Die ZEIT setzt auf die Zusammenarbeit mit dem Leser
Der Kunde ist König, heißt es. Aber er ist auch Opfer unfertiger Produkte und soll dann mit seinem Feedback an der Optimierung des fehlerhaften Produktes mitwirken. Dieses Prinzip stellt ein Artikel von Dirk Asendorf in Heft 9/2010 der Wochenzeitung DIE ZEIT (S. 37: „Kunde, übernehmen Sie!“) ausführlich dar. Zumeist geht es dabei um technische Produkte, bei deren Perfektionierung man auf Hinweise aus dem Kreis der „early adopters“ angewiesen ist. Aber auch im Online-Journalismus sei es durchaus üblich, unzureichend geprüfte Artikel zu veröffentlichen und nach den ersten Protesten sachkundiger Leser zu korrigieren. In diesen Fällen kommt der Leser als Prüfer von Informationen zum Einsatz.
In derselben ZEIT wird deutlich, dass auch die Wochenzeitung den Leser als Mit-Arbeiter gewinnen will. In einer ganzseitigen Anzeige wird er aufgefordert, eigene Beiträge einzusenden. Diese sollen erstmals in der Osterausgabe am 31. März 2010 auf der Seite „ZEIT DER LESER“ veröffentlicht werden. Die Palette der Möglichkeiten umfasst elf verschiedene Rubriken, vom persönlichen „Wort der Woche“ über ein selbstverfasstes Haiku zu einem kurzen Text „darüber, was Ihr Leben in der vergangenen Woche reicher gemacht hat“ und Kritzeleien am Rande eines Telefonats oder einer langweiligen Konferenz.
Das zugehörige ZEITMagazin fügt der Zusammenarbeit Presse-Leser eine dritte Variante hinzu. Auch hier wird zwar der Leser zum Einsenden von Beiträgen ermuntert, allerdings Textsorten aus dem Alltagsleben wie Beschwerdebriefe, Liebesbriefe, Reden, Kündigungsschreiben und Brandbriefe an die Nachbarn. Und diese Texte werden nicht bloß in ihrem Ur-Zustand veröffentlicht, da die Redaktion einen Eigenbeitrag als Text-Optimierer leisten möchte: „Die interessantesten Beispiele redigieren wir [kostenlos, gestrichen] umsonst und drucken sie in beiden Versionen im ZEITMagazin ab.“
In seinem Artikel über die Kunden als Produktoptimierer spricht Dirk Asendorf von Aal-Prinzip: „Andere arbeiten lassen.“ Aal ist nicht jedermanns Geschmack. Mal sehen, wie viele bei der ZEIT anbeißen werden…
Bild: Aal; Quelle: Wikipedia
