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Schulbibliotheken mit System

Leipziger Vorträge liefern Beispiele zum Nachmachen

„Rein in die Schule!“ Am 16. März 2010 haben sich mehr als 80 Bibliothekarinnen und Bibliothekare von dieser Aufforderung der Kommission „Bibliothek und Schule“ im Deutschen Bibliotheksverband (dbv) in den Vortragsraum 10 des Congress Center Leipzig locken lassen. Sie erfuhren dort im Rahmen des 4. Leipziger Kongresses für Information und Bibliothek, dass die Zeit reif sei für Schulbibliotheken. Und sie lernten drei verschiedene Modelle kennen, wie Schulbibliotheken mit System aufgebaut und wirkungsvoll betrieben werden können.

Der Moderator und Bildungsexperte Detlef Garbe hob in seinem Einführungsvortrag hervor, dass die sich ausbreitende Ganztagsschule neue Herausforderungen an die Schule stellt und die professionell betreute Schulbibliothek die Lehrer in dieser Situation wirkungsvoll entlastet und unterstützt. Wie die nötige Infrastruktur aufgebaut und unterhalten werden kann, zeigten die Beispiele aus dem Lahn-Dill-Kreis, aus Frankfurt und aus Hamburg.

Im Lahn-Dill-Kreis liefert IMeNS bibliothekarische Dienstleistungen für Schulbibliotheken, wovon inzwischen mehr als die Hälfte der Schulen im Kreis profitieren. Zugleich wird die Zusammenarbeit mit den örtlichen öffentlichen Bibliotheken ermuntert und erleichtert. Wie Simone Vetter berichtete, konnte das Projekt politisch durchgesetzt werden, weil es verbesserte Leistungen mit Ersparnis-Effekten verknüpfte.

Ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis kennzeichnet auch das Angebot „Schulbibliothekarin auf Zeit“ der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle (sba) in Frankfurt. Bei diesem Vor-Ort-Service, den Eva von Jordan-Bonin vorstellte, kommen Bibliothekarinnen für etwa sechs Wochen in eine Schulbibliothek, die normalerweise nicht von Fachpersonal betreut wird, um die Weichen für eine professionelle Gestaltung und Ausstattung der Bibliothek zu stellen. Die sba im Hintergrund sorgt dafür, dass auch vor und nach dem punktuellen Einsatz eine kontinuierliche fachliche Beratung der Schulbibliothek stattfindet.

Ein besonders ambitiöses Schulbibliotheksnetzwerk ist in Hamburg im Aufbau. Hier werden zurzeit an neun Schulen Pilot-Schulbibliotheken eingerichtet. Das Besondere: Jede Schule hat neben dem Grundbestand an Medien eine Vollzeit-Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste als Bibliotheksleiterin bekommen, an deren Auswahl sie mitwirken durfte. Wie Ingrid Lange-Bohaumilitzky berichtete, sind bei der Umsetzung des Hamburger Projekts noch viele praktische Hürden zu nehmen, trotz des bemerkenswerten und bundesweit einmaligen politischen Willens, der dahinter steht. Andererseits wirken in Hamburg von vornherein Bildungs- und Kulturbehörde zusammen, wodurch der Brückenschlag zu den Lehrkräften und damit der langfristige pädagogische Erfolg begünstigt werden.

Hier liegt aus Lehrersicht der Juckepunkt des drei Best-Practice-Beispiele: Eine gute Schulbibliotheks-Infrastruktur tut not, ist aber nur die halbe Miete, wenn die Lehrer die Bibliothek nicht im Unterricht nutzen. Deshalb sollte das Motto für den nächsten Bibliothekskongress lauten: „Rein in den Unterricht!“
 
Bild: das Expertenteam auf dem Leipziger Bibliothekskongress; Foto: A. Müller

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