brauchen Informationskompetenz – fürs Lernen und fürs Leben. Diese Website will den Begriff der Informationskompetenz durch aktuelle Kurzberichte mit Leben erfüllen und so zu seiner Verbreitung in Schule und Bibliothek beitragen.
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Buchkonjunktur und Wissensexplosion im 19. Jahrhundert
Das Internet bedroht nach verbreiteter Ansicht die Möglichkeit, mit Informationen und Wissen Geld zu verdienen. Es wird nach neuen Barrieren gesucht, um Eigentumsrechte an Wissensprodukten zu etablieren bzw. zu verteidigen. Aber ist das der richtige Weg? Ein Blick in die Geschichte des Copyrights kann da anregend sein, und diesen Blick hat ein Münchner Wirtschaftshistoriker geworfen, wie das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL in Heft 31/2010 berichtet.
Eckhard Höffner hat die Anzahl der veröffentlichten Bücher im Deutschland des 19. Jahrhunderts mit der in England verglichen und dabei festgestellt, dass in Deutschland weit mehr Bücher veröffentlicht wurden als auf der Insel. 1843 gab es zum Beispiel hierzulande etwa 14.000 neue Titel, in England waren es lediglich 1000 pro Jahr. Die meisten Neuerscheinungen waren nicht Romane, sondern Sach- und Fachbücher, und deshalb spricht Höffner von einer beispiellosen Explosion des Wissens. Die Kolonialmacht England habe innerhalb eines Jahrhunderts ihren Vorsprung eingebüßt, und Deutschland sei bis 1900 zur ebenbürtigen Industrienation aufgestiegen.
Aber warum war Deutschland bei der Buch- und Wissensproduktion so viel aktiver? Weil es gar kein bzw. kein wirkungsvolles Urheberrecht gab, meint Höffner. In England nutzten die Verleger ihre durch Copyright geschützte Monopolstellung und produzierten wenige, dafür sehr teure Werke. In Deutschland habe der Konkurrenzkampf mit den Plagiatoren die Verleger gezwungen, die Bücher in teurer Ausfertigung für die Wohlhabenden und zugleich als Taschenbücher für die weniger Betuchten zu produzieren. Dadurch sei der Massenmarkt der Leser erschlossen worden. Dieser Massenmarkt war besonders interessiert an praktischen Ratgebern und Anleitungen, also Sachbüchern, für die es in England weder Angebot noch Nachfrage gab – wodurch sich Deutschland kollektiv einen Wissensvorsprung gegenüber England „erlas“.
Der liberale Umgang mit dem geistigen Eigentum machte die Verleger erfinderisch, erweiterte das Wissensangebot für die Leser und erwies sich letzten Endes auch für die Büchermacher als einträglich.
Sollte das den heutigen Verlegern von Büchern und Zeitschriften nicht Mut machen, ihr Heil ebenfalls im erleichterten Zugang zu „ihren“ Produkten, zum Beispiel übers Internet, zu suchen?
Bild: Angebot in einer heutigen Buchhandlung: Vielfalt trotz Copyright; Quelle: Wikipedia
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