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Vom Lesen, Schreiben und (nicht) darüber Reden

Berliner Expertenworkshop der Stiftung Lesen zur Zukunft des Lesens

Einerseits lesen wir ständig: E-Mails, Facebook-Posts, SMS, Tweets, elektronische Anzeigetafeln. Andererseits nehmen wir seltener als früher in Ruhe ein dickes gedrucktes Buch in die Hand und lesen auch längere Texte zunehmend auf dem E-Book-Reader oder dem Tablet. Wie geht die Lese-Entwicklung weiter, und wie wirkt sich das auf die Leseförderung aus? Dieser Frage stellten sich am 5. und 6. Juni 2012 Leseexperten aus ganz Deutschland bei dem Expertenworkshop „Zukunft des Lesens“ in der Hessischen Landesvertretung. Gerufen hatte sie die Stiftung Lesen im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Zu den Konsequenzen des medialen Umbruchs gehört nach dem Eindruck von Silke Borgstedt vom Heidelberger Sozialforschungs-Institut Sinus, dass das Wort „lesen“ immer weniger als Bindebegriff für das Verstehen aller schriftlichen Mitteilungen verwendet wird. Wenn man Jugendliche – aber auch viele Erwachsene – nach dem Lesen fragt, winken sie ab, weil sie damit nur das schulische Pflichtprogramm im Sinne des „guten Buchs“ meinen. Sie verstehen ihre medial geprägten Lesegewohnheiten an mobilen Endgeräten und am Computer eher als Kommunikation. Schließlich reagieren sie oft auf Gelesenes selbst mit eigenen Kommentaren, verbinden also das Lesen mit dem Schreiben.

Welche Konsequenzen sollte die Leseförderung aus der gleichzeitigen medialen Ausbreitung des Lesens und dem Rückgang im „Lesebewusstsein“ ziehen? Die selbst ernannten Leseunwilligen können ruhig in dem Glauben gelassen werden, sie lesen gar nicht, solange sie es dennoch tun. Die Leseförderer tun jedoch gut daran, den medialen Wandel als Chance zu begreifen und die Vielfalt der Lesemedien für ihre lesepädagogischen Zwecke einzuspannen. So können wir langfristig dem funktionalen Analphabetismus begegnen, der zurzeit ein Siebtel der erwerbstätigen Bevölkerung von der gesellschaftlichen Teilhabe ausschließt.

Bild: der Berliner Expertenworkshop bei der Arbeit (INFOKOS / A. Müller)

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